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Kolumne

 
     
    12.04.2006  
 



 

Feed the Ducks!
 
 

„Feed the ducks when they are quacking, do not look for ducks to feed” sagt eine amerikanische Redensart und meint, dass es immer besser ist, wenn sich die Investoren um die Ware balgen als wenn man ihnen die Schnäppchen noch hinterhertragen muss. Es sieht so aus, als würde das Schnattern in der Alten Welt wieder lauter werden: Der deutsche Aktienmarkt steigt und steigt. Kleine Rückschläge werden sofort als günstige Kaufgelegenheiten genutzt. Neuemissionen sind um ein Vielfaches überzeichnet, werden am oberen Ende der Preisspanne emittiert und legen oft gleich am Tag der Erstnotiz kräftig zu. Die Stimmung am Parkett spiegelt die Überzeugung wider, dass Aktien nie wieder so billig zu haben sein werden wie heute. Das hatten wir doch schon einmal?

 
     
 

Allerdings geschieht dies alles bislang mit etwas weniger Getöse als in den Jahren 1999 und 2000. Zwar bewegt sich der Wertpapierhandel über Onlinebroker schon wieder auf dem Niveau von 2001, das Stadium des kollektiven Kaufrauschs als hysterisches Massenereignis ist aber noch längst nicht erreicht. Noch wird man nicht auf jeder Tupperparty ausgelacht, wenn man nicht im Entry Standard investiert ist. Noch kann nicht jeder ABC-Schütze erklären was ein Greenshoe ist. Es boomt gewissermaßen im Verborgenen; die Milchmädchen haben ihre Sparstrümpfe noch nicht angetastet. Und die gebrannten Kinder der letzten geplatzten Blase mögen es sich auch dreimal überlegen, bevor sie wieder einsteigen oder gar ihre jüngsten Investments herausposaunen. Die Erfahrungen und die Ernüchterung beim letzten Mal waren einfach gar zu bitter. 

Auch die Unternehmen scheinen dem Frieden nicht so ganz zu trauen. Das Gedränge bei den IPOs wird jedoch größer. Niemand will die gute Stimmung ungenutzt lassen, gleichzeitig scheint niemand zu glauben, dass sie von Dauer ist. Darum ist, wer den Investoren ans Geld will, in Eile. Mit Klicktel, Dresdner Factoring, Cat Oil und Schmack Biogas stehen mindestens vier Unternehmen kurz vor der Börseneinführung. Und das lässt Kandidaten wie Air Berlin oder Roth&Rau, die ihre zunächst nur vagen Terminpläne für einen Börsengang jüngst auf den Wonnemonat Mai konkretisierten, noch unbeachtet.

Es besteht in der Tat die Gefahr, dass sich die augenblicklich hungrig schnatternden Enten demnächst werden ablenken lassen, oder vielmehr: dass sich ihr Appetit und ihre Aufmerksamkeit größeren Dingen zuwenden. Denn noch vor der traditionellen Urlaubsflaute im Hochsommer dräut die Fußball-WM als mediale Sensation. Und wenn es jetzt nicht einmal gelingt, mit dem erfolgreichen Wacker-IPO die deutsche Torwartfrage von der ersten Seite der Bildzeitung zu verdrängen, ist Vergleichbares wohl erst recht nicht für die Dauer des Turniers zu erwarten. Deshalb schnell hinein mit dem altbackenen Brot in die weit aufgesperrten Schnäbel!

Es eilt! Niemand weiß, wie lange die gierigen Schlünde geöffnet bleiben. Darum wird hineingepresst, was die Federn halten. Wird immer noch geschnattert? Wie lange wird es dieses Mal dauern, bis den zutraulichen Flattertieren das alte, pappige Weißbrot, nach dem sie im Moment so eifrig schnattern, im Halse stecken bleibt?

 Denn eines Tages wird Schluss sein, das ist als Lektion aus 2000 geblieben. Sei es dass die possierlichen Wasservögel voll und ganz vom runden Leder in Anspruch genommen sind, sei es dass die kleinen Biester misstrauisch werden und nicht mehr wahllos alles in sich hineinschlingen oder dass eine Marktsättigung eintritt und man ihnen die Krumen mühsam die Hälse hinuntermassieren muss, bis sie zu wandelnden Stopflebern werden: Irgendwann geht nichts mehr. (Und hier müssen wir nicht einmal die Vogelgrippe bemühen!) Wehe den Unternehmen, die dann noch auf ihren trockenen Semmeln hocken! Sie werden sie so bald nicht loswerden.

 
     
  (Dagmar Wicht)  
 

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