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„Feed the ducks when they
are quacking, do not look for ducks to feed” sagt eine amerikanische Redensart
und meint, dass es immer besser ist, wenn sich die Investoren um die Ware
balgen als wenn man ihnen die Schnäppchen noch hinterhertragen muss. Es sieht
so aus, als würde das Schnattern in der Alten Welt wieder lauter werden: Der
deutsche Aktienmarkt steigt und steigt. Kleine Rückschläge werden sofort als
günstige Kaufgelegenheiten genutzt. Neuemissionen sind um ein Vielfaches
überzeichnet, werden am oberen Ende der Preisspanne emittiert und legen oft
gleich am Tag der Erstnotiz kräftig zu. Die Stimmung am Parkett spiegelt die
Überzeugung wider, dass Aktien nie wieder so billig zu haben sein werden wie
heute. Das hatten wir doch schon einmal? |
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Allerdings geschieht dies
alles bislang mit etwas weniger Getöse als in den Jahren 1999 und 2000. Zwar
bewegt sich der Wertpapierhandel über Onlinebroker schon wieder auf dem Niveau
von 2001, das Stadium des kollektiven Kaufrauschs als hysterisches
Massenereignis ist aber noch längst nicht erreicht. Noch wird man nicht auf
jeder Tupperparty ausgelacht, wenn man nicht im Entry Standard investiert ist.
Noch kann nicht jeder ABC-Schütze erklären was ein Greenshoe ist. Es boomt
gewissermaßen im Verborgenen; die Milchmädchen haben ihre Sparstrümpfe noch
nicht angetastet. Und die gebrannten Kinder der letzten geplatzten Blase mögen
es sich auch dreimal überlegen, bevor sie wieder einsteigen oder gar ihre
jüngsten Investments herausposaunen. Die Erfahrungen und die Ernüchterung beim
letzten Mal waren einfach gar zu bitter.
Auch die Unternehmen scheinen
dem Frieden nicht so ganz zu trauen. Das Gedränge bei den IPOs wird jedoch
größer. Niemand will die gute Stimmung ungenutzt lassen, gleichzeitig scheint
niemand zu glauben, dass sie von Dauer ist. Darum ist, wer den Investoren ans
Geld will, in Eile. Mit Klicktel, Dresdner Factoring, Cat Oil und Schmack
Biogas stehen mindestens vier Unternehmen kurz vor der Börseneinführung. Und
das lässt Kandidaten wie Air Berlin oder Roth&Rau, die ihre zunächst nur vagen
Terminpläne für einen Börsengang jüngst auf den Wonnemonat Mai
konkretisierten, noch unbeachtet.
Es besteht in der Tat die
Gefahr, dass sich die augenblicklich hungrig schnatternden Enten demnächst
werden ablenken lassen, oder vielmehr: dass sich ihr Appetit und ihre
Aufmerksamkeit größeren Dingen zuwenden. Denn noch vor der traditionellen
Urlaubsflaute im Hochsommer dräut die Fußball-WM als mediale Sensation. Und
wenn es jetzt nicht einmal gelingt, mit dem erfolgreichen Wacker-IPO die
deutsche Torwartfrage von der ersten Seite der Bildzeitung zu verdrängen, ist
Vergleichbares wohl erst recht nicht für die Dauer des Turniers zu erwarten.
Deshalb schnell hinein mit dem altbackenen Brot in die weit aufgesperrten
Schnäbel!
Es eilt! Niemand weiß, wie
lange die gierigen Schlünde geöffnet bleiben. Darum wird hineingepresst, was
die Federn halten. Wird immer noch geschnattert? Wie lange wird es dieses Mal
dauern, bis den zutraulichen Flattertieren das alte, pappige Weißbrot, nach
dem sie im Moment so eifrig schnattern, im Halse stecken bleibt?
Denn eines Tages wird Schluss
sein, das ist als Lektion aus 2000 geblieben. Sei es dass die possierlichen
Wasservögel voll und ganz vom runden Leder in Anspruch genommen sind, sei es
dass die kleinen Biester misstrauisch werden und nicht mehr wahllos alles in
sich hineinschlingen oder dass eine Marktsättigung eintritt und man ihnen die
Krumen mühsam die Hälse hinuntermassieren muss, bis sie zu wandelnden
Stopflebern werden: Irgendwann geht nichts mehr. (Und hier müssen wir nicht
einmal die Vogelgrippe bemühen!) Wehe den Unternehmen, die dann noch auf ihren
trockenen Semmeln hocken! Sie werden sie so bald nicht loswerden. | |